Die Gewinner des Beschäftigungsbooms in Deutschland: Fragen und Antworten

Kaum ein Bereich ist derzeit so positiv zu bewerten wie die Lage am Arbeitsmarkt. Die Nachrichten springen von Allzeithoch zu Allzeithoch der Beschäftigung. Tag für Tag, Woche für Woche werden Daten bekannt gegeben, die die positive Entwicklung des Arbeitsmarktes bekräftigen und die entsprechende Stärke der deutschen und europäischen Wirtschaft bestätigen. Auf der anderen Seite steht eine gespaltene offene Meinung in der Gesellschaft, die dafürspricht, dass die Beschäftigung zwar mehr wird, die Verteilung von Armut und Reichtum allerdings trotzdem weiter auseinandergehen. Hier möchten wir mal einen Blick in die Zahlen werfen und sehen an welchen Stellen Wohlstand und Beschäftigung gewachsen sind und eventuell auch wie stark. Sehr interessant vor allen Dingen ist neben der Verteilung der Beschäftigten im Land auch die Veränderung der Beschäftigtenquoten in den letzten 4 Jahren. Wo finden sich die heimlichen Gewinner? Welche Bevölkerungsteile und Bundesländer profitieren vom Arbeitsmarktboom am meisten? Im folgenden Bericht finden Sie einige Fragen und Antworten:

 

Hat sich der Arbeitsmarkt in allen Ländern gleichermaßen positiv entwickelt?

Nein. Insgesamt hat sich der Arbeitsmarkt qualitativ sehr gut entwickelt. Seit 2014 sind ca. 2.000.000 Vollzeitstellen entstanden, die tatsächlich auch besetzt worden sind. Die Entwicklung belegt, dass der deutsche Arbeitsmarkt sich nicht nur stabilisiert, sondern auch in positiver Art und Weise verbessert hat. Der Boom im Teilzeitsegment bleibt zwar bestehen und erzielt nach wie vor hohe Wachstumsraten, aber auch Vollzeitstellen haben einen Schub bekommen. Natürlich hat nicht die ganze Republik von diesem Beschäftigungswachstum profitiert. Absolute Spitzenreiter sind die Länder Baden Württemberg, Bayern und Schleswig Holstein. Angeführt wird diese Spitzengruppe allerdings von Berlin, das Land mit jährlichen Beschäftigungszuwächsen von bis zu 10% und einem Zuwachs der Beschäftigung zum Bezugszeitraum um 12%. Die vorangegangene Abbildung zeigt die Spitzenreiter im Detail.

 

Gibt es Altersgruppen, die besonders von der Entwicklung am Arbeitsmarkt profitieren?

Wagt man ein Blick auf die jeweiligen Bevölkerungsgruppen nach Ihren demographischen Eigenschaften, so sind die dynamischen Entwicklungen nicht in der Altersmitte der Gesellschaft zu finden. Nennenswerte Zuwächse gibt es vor allen Dingen bei den Oldies. Gerade bei den über 50-Jährigen gibt es Anstiege der Vollzeitbeschäftigung um ca. 5%. Die Beschäftigung insgesamt am meisten bei Akademikern zu. Hier liegen die Quoten in manchen Bundesländern ebenfalls bei 5-9%. Ermutigender weise bekommen aber auch Personen ohne Bildungsabschluss anscheinend immer häufiger eine Chance den Weg in die Beschäftigung zu finden. Auch hier steigen die Beschäftigenzahlen, um teilweise mehr als 5%.

Basiert der Boom eigentlich nur auf Teilzeitstellen?

Nein. Teilzeit und Vollzeitstellen haben dabei zwischen 2017 und 2014 deutlich zugenommen. Sowohl die Vollzeitstellen von mehr als 1.900.000 als auch Teilzeitstellen haben sich deutlich erhöht (1.200.000). Anteilsmäßig bleiben Teilzeitstellen weiter im Vormarsch und als Beschäftigungsform äußerst beliebt. Dies zeigt sich am prozentualen Anstieg. Der lag bei 15,5%. Im Vergleich: Vollzeitstellen entwickelten sich nicht so sprunghaft und konnten nur einen Anstieg von 6,60% erreichen.

Sind nur Männer die Profiteure des Booms?

Nein. In Deutschland hat der Zuwachs einen fasst rechnerisch ausgeglichenen Anstieg erlebt. Aufgrund der modernen Lebensentwürfe junger Menschen gibt es einen Wettbewerb jenseits von demographischen Merkmalen. Dies spiegelt sich auch in der Verteilung von Frauen und Männern wieder. 54% der insgesamt Beschäftigten waren Männer. Die Aufteilung der Geschlechter ist also annähernd gleich. Der Zuwachs schließt ebenfalls Frauen und Männer ein und liegt fasst identisch bei etwas über 6% (Männer:6,6%) (Frauen:6,9%).

Und abschließend: Wie ist die Lage insgesamt?

Insgesamt hat Deutschland eine sehr positive Arbeitsmarktentwicklung zu verzeichnen. Dies spiegelt sich besonders in den Anstiegen der Teil- und Vollzeitbeschäftigung wieder. Besonders beeindruckend sind die Anstiege der Beschäftigungszahlen von Akademikern in der Zeit zwischen 2014 und 2017 in allen Bundesländern. Bildung zahlt sich also doch aus. Und letztlich zeigt sich auch die Humanität im deutschen Beschäftigungssystem. Auch die Anteile der Personen ohne jeglichen Bildungsabschluss sind erstaunlicherweise stellenweise stark gestiegen. Eine systematische Ausgrenzung von Personen ohne Bildungsabschluss findet derzeit nicht statt. Heimlich Gewinner sind die Oldie but Goldies, die noch einmal den Schritt in die Erwerbstätigkeit wagen und mit Ihrer Erfahrung der Arbeitsmarkt stellenweise bereichern können. Bei den über 50 Jährigen zeichnen sich in den letzten Jahren die stabilsten Wachstumsraten ab. Der Duktus, die älterwerdende Generation wird nur aufs Abstellgleis gestellt scheint in Deutschland nicht zu zutreffen. Im Gegenteil. Kritische Entwicklungen sind jedoch immer noch in einigen neuen Bundesländern zu sehen. Hier sollten effiziente Berufsförderungssysteme dafür sorgen, dass diese Länder nicht vom Rest der Republik abgehängt werden. Die Entwicklungen des letzten Jahres sollten allerdings auch diesen Bundesländern Hoffnung auf Besserung geben.

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