Gesellschaftliche Kultiviertheit – Fehlanzeige

Wir wünschen uns alle mehr Hilfsbereitschaft und soziales Engagement. Die SPD hat mal in einem Wahlkampf damit geworben. Das „Wir“ gewinnt. Einfach pragmatisch. Sozial. Weltoffen. Und irgendwie zu schön, um wahr zu sein. Zu groß sind die Differenzen des gefühlten „Wir“ und des gelebten „Wir“, das in der Realität auf uns zuschwappt. Und so war dann das Ergebnis des Wählers in der Bundestagswahl auch relativ kosequent: „Ich“ will schonmal nicht zu diesem „Wir“ dazugehören, wenn das „Wir“ so aussieht. Und genau das haben dann auch die Wähler so quittiert. Ein „Wir“ benötigt Kultur, vorgelebte Kultur mit hohen Identifikationspotentialen. Eine kultivierte Leitkultur mir entsprechenden Vorbildern nachhaltigen Handelns.  Und obwohl es diverse Zukunftsszenarien einer grüneren, einer sozialeren Welt gibt, richten sich die Entwicklungen derzeit in eine andere Richtung.  In einer Zeit von Etikettenschwindel, VW Skandal, bzw. Autoskandalen, – auch andere Automobilkonzerne haben dies Beispielhaftin  Ihren ökologischen Wertmessungen (Renault, Tesla, Fiat,etc.) unter Beweis gestellt, sind nur einige wenige Beispiele, die genau das Vorleben, was eben nicht zur schönenen „Das-Wir gewinnt-Realität zählen“. Nachhaltigkeit und ökologische Werte werden als Marketing vielmehr einfach instrumentalisiert und schonungslos für Profitsteigerungen eingesetzt. Diese Mentalität des Weitervoranschreitens ohne auch mal über die zweitbeste Variante nachzudenken, ohne auch mal zu überlegen was eventuell eine sinnvolle Lösung für die Folgegeneration wäre, kann langfristig keine ernstzunehmende Leitkultur darstellen. Die Möglichkeiten sind riesig, die Eliten können es vielmals einfach nicht mehr glaubwürdig vorleben und das damit nicht geworben wird ist vielleicht ein grundlegender Fehler. Tue Gutes und sprich darüber.

Autos mit nachhaltigen Antrieben zu fahren: Wäre eine schöne Sache.

Häuser, die Energieeffizienter wirtschaften: Wäre eine schöne Sache.

Öffentlicher Nahverkehr mit alternativen Antrieben: Wäre eine schöne Sache.

Sich für andere zu engagieren, wäre eine schöne Sache. Die sozialen Beziehungen zu intensivieren: Wäre eine schöne Sache.

Allein die Anreize und der Wert dies zu tatsächlich zu tun, wird von den öffentlichen und gesellschaftlichen Anreizen erodiert. „Geiz ist geil und sex sells“. Diese alten Wahrheiten diktieren mit realtiv eiserner Hand das Geschehen. Diese Zielsetzungen haben Vorrang. Ein größerer Gehaltscheck, das dickere Auto, die bessere Lobby, Aufenthalte in All inklusiv Hotels, Gewaltverherrlichung in den Medien, statt Friedens-und Präventionsbotschaften. Alle dies sind Zeichen einer fehlenden Besinnung auf kulturelle Werte. Was heißt den überhaupt kultiviert? Wann verhält man sich den kultiviert und welche Kreise beanspruchen dieses Etikett für nachhaltige Kultiviertheit. Wenn man selbst lange überlegen muss um auf das Wort Altruismus zu kommen, diese Uneigennützigen Verhaltensweisen, die so wichtig im familiären und gesellschaftlichen Leben sind, dann hat vieles einen falschen Weg genommen. Die kultivierten Strukturen haben sich in vielen gesellschaftlichen Interaktionen runter erodiert und auch die soziale Vereinzelung quittiert viele Zusammenkommen zu einem bloßen „Null-Event“.

Und dies scheint auch schon der springende Punkt zu sein. Keine soziale Interaktion, kein Austausch. Wenn es keinen Austausch gibt, kommt auch keine Leistung zustande. Die Förderung von sozialen Austauschprosessen, des Geben und Nehmens sind die Zusammenschweißenden Gesten der nachhaltigen gesellschaftlichen Reproduktion. Dieser als „Vertreter-Verhalten“ ebenfalls oft belächelte Repoduduktionshabitus kommt ebenfalls zu knapp. Wenn in der Kultur weniger das Soll und Haben im Sinne einer Transaktion honoriert würde, sondern mehr das tatsächliche Geben und zurückgeben, wäre viel erreicht.

Das heutige „Wir“ gewinnt momentan jedenfalls nicht.  Es fehlt Ihm an Kultiviertheit und vor allen Dingen der entsprechenden breit akzeptierteten Coolness eines gewollten Austausches.

 

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